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Best Practice: Zirkularität als Business Case bei Weidmüller

Weidmüller GmbH & Co KG

Das Unternehmen

Industrial Connectivity: Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung, elektrische Verbindungstechnik und erneuerbare Energien – Märkte, in denen Weidmüller zu Hause ist. Das 1850 gegründete Familienunternehmen ist in über 80 Ländern mit Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften vertreten. Als Global Player in der elektrischen Verbindungstechnik erzielte Weidmüller im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von über einer Milliarde Euro mit rund 5.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit – davon ca. 2.000 am Stammsitz in Detmold, inmitten von Ostwestfalen-Lippe.  

 

Unsere Motivation

Bei Weidmüller rückte das Thema Zirkularität über die vergangenen Jahre schrittweise stärker in den Fokus. Während erste Aktivitäten – etwa Pilotprojekte zum Einsatz von Rezyklaten – zunächst noch punktuell entstanden, zeigte sich zunehmend, dass Kreislaufwirtschaft mehr ist als einzelne Maßnahmen: Sie gewinnt dann an Wirkung, wenn sie strukturiert, messbar und unternehmerisch gedacht wird.

Der Impuls für diesen Wandel entstand aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens. Fachbereiche, Entwicklung, Produktion und Nachhaltigkeitsmanagement brachten das Thema immer wieder ein – mit der gemeinsamen Fragestellung, wie sich zirkuläre Ansätze technisch, organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll verankern lassen. Diese Perspektive eröffnete einen neuen Blick: Kreislaufwirtschaft sollte kein isoliertes Idealprojekt sein, sondern ein Geschäftsfeld, das ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbindet.

Daraus entwickelte sich der Anspruch, Zirkularität systematisch in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Der Fokus liegt heute darauf, zirkuläre Prinzipien so zu gestalten, dass sie messbaren Mehrwert schaffen – für Ressourceneffizienz, für Produkte und für das Geschäftsmodell. Die Erfahrung zeigt: Wenn Kreislaufwirtschaft klar strukturiert, faktenbasiert und wirtschaftlich gedacht wird, kann sie sich dauerhaft und wirkungsvoll im Unternehmen etablieren.

 

Unser Weg

Bei Weidmüller entwickelte sich der Einstieg in das Thema Zirkularität nicht über ein klassisches TopdownProgramm, sondern über einen breit getragenen internen Impuls. Ein wesentlicher Schritt war die Gründung einer interdisziplinären Arbeitsgruppe zur „zirkulären Reihenklemme“. In diesem Kreis tauschten sich Expert*innen aus Produktentwicklung, Qualität, Produktion und weiteren Bereichen regelmäßig aus und verbanden damit technisches Know-how mit einem ganzheitlichen Blick auf Wertschöpfung und Materialflüsse.

Aus dieser Zusammenarbeit entstanden konkrete, praxisnahe Lösungsansätze. Von Beginn an lag der Fokus darauf, einfache und wirtschaftlich sinnvolle Anwendungen zu priorisieren. Leitend war das Prinzip, hochwertige zirkuläre Materialien zunächst in unkomplizierten, gut skalierbaren Produkten einzusetzen.

Ein erstes relevantes Ergebnis waren Endwinkel – mechanische Bauteile ohne Stromführung, die Komponenten in Schaltschränken fixieren. Diese wurden vollständig auf zirkuläre Materialien umgestellt und ersetzen heute ihre linearen Vorgänger. Die Umstellung erfolgt ohne Mehrkosten und ohne separate Vermarktung als „nachhaltiges“ Produkt; sie ist schlicht der neue Standard.

Parallel dazu baute Weidmüller interne Stoffkreisläufe auf, insbesondere im Bereich Kunststoffe: Produktionsabfälle werden gemahlen, regranuliert und unmittelbar wieder in der Fertigung eingesetzt. Das stärkt nicht nur die ökologische Bilanz, sondern sorgt zugleich für mehr Unabhängigkeit von externen Rohstoffmärkten.
Strategisch verfolgt Weidmüller einen klaren Entwicklungspfad: von PostIndustrialMaterialien hin zu PostConsumerMaterialien. Laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte – etwa zur automatisierten Demontage von Alt-Schaltschränken – schaffen die Grundlagen für diesen nächsten Schritt.
 

Stolpersteine

Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass die größten Herausforderungen nicht in der Technologie lagen, sondern in etablierten linearen Denk und Prozesslogiken. Mehrere Beispiele verdeutlichen dies:

• Prozesslogiken und ERP-Strukturen
Rezyklate waren technisch bereits früh einsetzbar. Praktische Hürden entstanden jedoch an anderer Stelle: Im ERP-System fehlten passende Materialnummern, wodurch die Disposition blockiert war. Der Engpass wurde erst sichtbar, als Mit-arbeitende im Shopfloor auf Unstimmigkeiten in der Materialbereitstellung hin-wiesen. Das zeigt, wie wichtig die enge Verzahnung zwischen Digitalisierung, Supply Chain und Produktion für zirkuläre Ansätze ist.

• Materialtrennung und arbeitsnahe Prozessgestaltung
Bei hochwertigen Metallabfällen ist eine sehr saubere Trennung erforderlich. Klassische Maßnahmen wie Schulungen oder Sensibilisierung reichten hier nicht aus. Analysen zeigten, dass Fehlwürfe häufig auf kognitive Überforderung in stressigen Situationen zurückgingen. Externe wissenschaftliche Impulse – unter anderem von der Universität Paderborn – unterstützten dabei, neue Ansätze zu entwickeln: die radikale Vereinfachung der Prozesse und eine klare visuelle Zuordnung zwischen Maschine und Abfallbehälter (Nudging). Dadurch wurde die Trennqualität messbar verbessert.

• Neue Perspektiven durch Forschungspartnerschaften
Die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Partnern bot wiederholt wertvolle Impulse jenseits klassischer Managementlogik. Sie half dabei, Verhaltensmuster besser zu verstehen und Prozesse so zu gestalten, dass zirkuläre Lösungen stabil, robust und alltagsfähig funktionieren.

 

Die Erfolge

Dass zirkuläre Ansätze bei Weidmüller heute fest verankert sind, zeigt sich vor allem an ihrer wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Zirkuläre Produkte und interne Kreislaufprozesse bewähren sich im Tagesgeschäft – und genau deshalb bleiben sie langfristig Teil des Portfolios. Ein Bei-spiel ist die Produktkategorie der Endwinkel: Hier konnten lineare Varianten vollständig durch zirkuläre Materialien ersetzt werden, ohne Mehrkosten und ohne gesonderte Vermarktung. Die zirkuläre Lösung ist der neue Standard.

Auch die internen Stoffkreisläufe tragen zum Erfolg bei. Durch das Wiederaufbereiten und Wiedereinsatz von Produktionsabfällen – ins-besondere im Kunststoffbereich – stärkt Weidmüller seine Unabhängigkeit von externen Lieferketten und erhöht zugleich die Ressourceneffizienz.

Zirkularität ist dabei fest in der Unternehmensstrategie verankert. Investitionen in zirkuläre Materialien, Prozesse und Technologien erfolgen selbstverständlich, weil ökologische Vorteile und wirtschaftlicher Nutzen klar zusammenwirken. Diese Kombination zeigt: Kreislaufwirtschaft ist nicht nur möglich, sondern in vielen Bereichen bereits heute ein funktionierender Bestandteil der Wertschöpfung.
 

So geht es weiter

Weidmüller setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Die nächsten Entwicklungsschritte werden von den Fachabteilungen vorangetrieben und sind klar in die übergeordnete Unternehmensstrategie eingebettet. Im Mittelpunkt steht die Skalierung bestehender Erfolge und das Erschließen neuer Materialquellen – insbesondere im Bereich der PostConsumerMaterialien. Dazu gehören auch Forschungsansätze zur kontaminationsfreien Trennung unterschiedlicher Materialfraktionen, die Voraussetzung für hochwertige Rezyklate sind.

Externe Beratungsprojekte spielen in diesem Prozess bewusst eine untergeordnete Rolle. Das erforderliche technische und organisatorische Wissen ist im Unternehmen vorhanden; entscheidend ist die konsequente Umsetzung im eigenen industriellen Kontext. Die Erfahrung zeigt: Zirkularität gewinnt ihre Wirkung vor allem dort, wo interne Expertise, praxistaugliche Prozesse und strategische Klarheit zusammenwirken.

 

Was wir anderen mitgeben möchten

Kreislaufwirtschaft ist bei Weidmüller ein langfristiger Entwicklungsprozess, der bewusst pragmatisch angelegt ist. Entscheidend ist ein Vorgehen, das einfach, wirtschaftlich sinnvoll und unmittelbar umsetz-bar ist. Maßnahmen, die sich nicht rechnen, werden konsequent gestoppt – die wirtschaftliche Tragfähigkeit bildet die Basis für dauerhafte Verankerung. Gleichzeitig sorgt reduzierte Komplexität dafür, dass Projekte schnell realisiert werden können und im Unternehmen breite Akzeptanz finden. Frühe, sichtbare Erfolge schaffen zusätzlich Motivation und erhöhen die Umsetzungsgeschwindigkeit. Dieses schrittweise, skalierbare Vorgehen hat sich als wirkungsvoller Hebel erwiesen, um zirkuläre Lösungen stabil in der Organisation zu etablieren.

 

 

Wir reden gerne mit Ihnen!

Mark Edler
- Vice President Corporate Sustainability - 

mark.edler@weidmueller.com