Vom Handelshaus zum Produzent

TSR Resource GmbH & Co. KG

Das Unternehmen

TSR blickt auf eine Unternehmensgesichte zurück, die bis in die 1890er Jahre reicht. Als Teil der REMONDIS-Gruppe handelt und bereitet das Unternehmen jährlich rund acht Millionen Tonnen Schrott an Standorten in ganz Zentraleuropa zu hochwertigen Recyclingrohstoffen auf.

Das Unternehmen produziert Rohstoffe für die Stahl-, Aluminium- und Kupfererzeugung. Entscheidend ist dabei die Qualität der Aufbereitung: Je gezielter die enthaltenen Metalle zurückgewonnen und auf die Anforderungen der Industrie ausgerichtet werden, desto besser können sie erneut in der Produktion eingesetzt werden. So entstehen die Voraussetzungen für funktionierende industrielle Kreisläufe.

 

Die Motivation

TSR verfolgt seit Jahren die Überzeugung, dass hochwertig aufbereitete Recyclingrohstoffe eine zentrale Rolle für eine zukunftsfähige industrielle Rohstoffversorgung spielen. Aus diesem Verständnis heraus entwickelt sich TSR vom klassischen Handelshaus zunehmend zu einem produktionsorientierten Unternehmen, das Materialien gezielt aufbereitet und Recyclingrohstoffe nach definierten Qualitätsanforderungen herstellt. Bestärkt wird diese strategische Ausrichtung durch grundlegende Veränderungen auf den Rohstoff- und Absatzmärkten. Zum einen transformiert sich die Stahlindustrie vom integrierten Hochofen-Konverter-Prozess hin zum Elektrolichtbogenofen, besonders in der Flachstahlerzeugung. Dadurch steigt der Bedarf an Rohstoffen in einer Qualität, die am Markt bislang kaum verfügbar waren. Zum anderen nehmen Exportrestriktionen für bestimmte Qualitäten zu. TSR ist überzeugt, dass ein rohstoffarmes Europa die vorhandenen Materialien möglichst hochwertig aufbereiten und erneut für die industrielle Produktion nutzbar machen sollte. Denn je besser es gelingt, Rohstoffe im Kreislauf und in der Region zu halten, desto stärker können Primärrohstoffabhängigkeiten reduziert und Versorgungssicherheit sowie Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten gestärkt werden.

 

Das Produkt

Kern dieser Überzeugung ist das Produkt TSR40. Ein zu 100 % aus Post-Consumer-Material bestehendes Eisenprodukt, welches überwiegend aus Altfahrzeugen, Altgeräten oder Mischschrott hergestellt wird. Aus einem maximal heterogenen Input entsteht ein homogener Rohstoff, dessen Qualität nicht geschätzt, sondern gemessen wird. Eine sogenannte Inline-Analyse erfasst 100 % des Output-Stroms und quantifiziert zugleich die für die Flachstahlindustrie störenden Begleitelemente wie Kupfer, Chrom, Nickel und Molybdän, die gezielt aus dem Storm entfernt werden. Dadurch erhalten die Kunden eine garantierte chemische Zusammensetzung. Im Elektrolichtbogenofen ersetzt TSR40 energieintensive Primärrohstoffe wie heißbrikettiertes oder direktreduziertes Eisen und senkt damit die Produktionskosten und CO₂-Emissionen der Produzenten. Zugleich bleibt Material, welches früher exportiert worden wäre, im europäischen Kreislauf und wirkt sich somit positiv auf die Resilienz der Lieferketten aus.

 

Herausforderung geschlossene Lieferketten

Die größte Hürde bei der Entwicklung des Produktes lag nicht bei dem Produkt selbst, sondern in dem Aufbau einer durchgängig geschlossenen Lieferkette. Denn in einer Anlage dieser Größenordnung fallen neben TSR40 auch zahlreiche andere Zwischen- und Nebenprodukte an, für die es tragfähige Verwertungswege braucht. TSR löst dies mithilfe nachgelagerter Anlagentechnik: Der hohe Kunststoffanteil aus Altfahrzeugen etwa, wird in einer spezialisierten Anlage im niederländischen Tiel zu einem Kunststoffmix aufbereitet. Dieser wird anschließend von Compondeuren für die Produktion von Automobilkomponenten wie Radhausschalen oder Unterbodenschutz verwendet. TSR verfolgt dabei für jeden Stoffstrom dasselbe Prinzip: Die Aufbereitung ist darauf ausgerichtet, die Materialien für möglichst hochwertige Anwendungen nutzbar zu machen. 

 

Marktresonanz und Ausblick

Auch in der Stahlindustrie gewinnt die verlässliche Sicherung hochwertiger Recyclingrohstoffe zunehmend an Bedeutung. Langfristige Partnerschaften und Liefervereinbarungen rücken daher stärker in den Fokus, um definierte Qualitäten und verfügbare Mengen abzusichern und so die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa zu stärken. Es wird davon ausgegangen, dass der Bedarf weiter steigen wird. Allein in Europa entstehen in nächster Zeit rund 7,5 Millionen Tonnen neue Elektrolichtbogen-Kapazitäten, welche einen Anstieg von etwa aktuell 20 auf rund 50 % Schrotteinsatz erwarten lässt und somit einen deutlich höheren Bedarf an hochwertigen Recyclingrohstoffen mit sich bringt. 

 

Empfehlungen aus der Praxis

Für die Entwicklung von TSR40 waren aus Sicht von TSR vor allem drei Faktoren entscheidend. Zum einen braucht es das richtige Know-how: Fachleute müssen sowohl die Eigenschaften des Ausgangsmaterials als auch die Anforderungen der Stahlproduktion verstehen, um die Aufbereitung gezielt darauf auszurichten. Zum anderen die konsequente Orientierung an den Bedarfen der Kunden. Zirkuläre Geschäftsmodelle tragen dort, wo sie ein reales Problem des Abnehmers lösen. Und drittens braucht es die Bereitschaft, Herausforderungen konstruktiv anzugehen, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.

 

Rat an die Politik

Diese lösungsorientierte Haltung erwartet TSR auch von den politischen Rahmenbedingungen. Entscheidend ist aus Sicht des Unternehmens, Regulierung so auszugestalten, dass sie Kreislaufwirtschaft, Rohstoffsicherung und Resilienz gleichermaßen unterstützt. Am Beispiel der Altfahrzeugverordnung sieht TSR eine im Ansatz richtige, in der Umsetzung aber zu inkonsequente Regulierung: Altfahrzeugrecycling werde zu wenig als Chance für Resilienz und Rohstoffsicherung und zu sehr als Pflichtkatalog behandelt. Viele Ansätze aus früheren Diskussionen sind somit verlorengegangen. Daraus folgt ein Rohstoffverlust, wenn Altfahrzeuge unter dem Deckmantel des Gebrauchtwagenexports den europäischen Markt verlassen und dementsprechend andernorts aufbereitet werden. Ähnlich die Einschätzung zu zirkulären Leitmärkten: Instrumente wie Green Public Procurement – also verbindliche ökologische Kriterien in der öffentlichen Beschaffung – seien vorhanden und könnten die Transformation stützen, ohne sie allein über Subventionen zu finanzieren.

 

Kontakt

Christian Blackert

TSR Resource GmbH & Co. KG

Geschäftsführer

c.blackert@tsr.eu